Japan in Bildern

Ich hatte vorher bereits einmal erwähnt, daß es nicht genug ist, nur die Vokabeln zu lernen und jedes Wort eins zu eins übersetzen zu können. Um wirklich Japanisch sprechen und verstehen zu können, muß man sich der gesamten Kultur öffnen und die Denkweise verstehen. Wer all sein „Wissen“ nur aus Mangas, Cosplay-Parties, Sushi-Restaurants und Yakuza-Filme aus den Achtzigern hat, wird nur ein sehr verzerrtes, von Vorurteilen und Clichés bestimmtes Bild haben. Aber ich denke, das weiß jeder selbst, und wer sich mit Japanisch und der japanischen Kultur beschäftigt, dem ist bewußt, daß dies zwar Bestandteile sind, aber nur einen kleinen Teil ausmachen.

Am Besten lernt man die Kultur natürlich vor Ort kennen. Leider ist es nicht immer so einfach möglich, nach Japan zu fahren und dort mit den Einheimischen durch die Gegend zu ziehen, so gerne man es sich vielleicht auch wünschen mag. Um trotzdem ein bißchen abtauchen zu können, gibt es wunderschöne Bücher und Bildbände, von denen ich hier einen besonders vorstellen möchte.


Der Bildband mit dem schlichten Titel „Japan“ vom Bruckmann Verlag ist ein Buch, mit dem man herrlich in die Schönheit dieses Landes abtauchen kann. Andere Bildbände sind oftmals gefüllt mit Bildern, wie man sie von Postkarten her kennt. Beschauliche Tempelanlagen, weite Panorama-Aufnahmen von Landschaften, die im Nebel versinken, oder Sonnenaufgäne über den Dächern der Städte sind dort oft dominant. In diesem Buch jedoch wird mehr Wert darauf gelegt, das quirlige Leben und die unterschiedlichen Lebensweisen – zwischen Tradition und High-Tech – darzustellen. Viele der Fotos sind einfach mitten aus dem Leben gegriffen und zeigen viele Menschen, die ihrem Alltag nachgehen.Der begleitende Text ist nicht geprägt von trockenen Fakten und einer geschichtlichen Informationsflut. Statt dessen erhält der Leser und Betrachter immer kurze Einblicke in das wirkliche Leben der Japaner. Es geht dabei um Charaktere, um Schicksale, und um persönliche Erlebnisse. Dabei begleitet man zwei Protagonisten auf ihrer Reise durch Japan, und erhält dadurch eine viel lebendigere und spannendere Schilderung der Erlebnisse auf ihrer Reise durch’s Land. So erfährt man also beispielsweise von Yukikos Aufregung, als sie endlich einen prachtvollen Kimono tragen darf, der ihr umständlich angezogen wird, oder wie Kenji in der überfüllten U-Bahn von Tokyo die hektische Außenwelt ausblendet und sich in seinen Manga vertieft.

Das Buch hat mit seinen rund 30cm x 30cm ein stattliches Format, wodurch die wunderschönen Fotografien besonders gut zur Geltung kommen. Das einfach Durchblättern und Betrachten der Bilder läßt einen schon in die Kultur abtauchen und zu träumen anfangen. Die Texte dazu sind informativ, ohne dabei langweilig zu werden und helfen gut dabei, einen Eindruck zu bekommen, wie sich diese Kultur „anfühlt“. Ich bin sehr begeistert von diesem Buch und kann es nur jedem ans Herz legen, der sich für Japan interessiert und Lust hat, dem hiesigen Alltag ein bißchen zu entfliehen und in diese fremde Kultur abzutauchen.

Eine kleine Information noch zum Schluß: am Ende des Buches kann man über den Autor der Buches, Hans Sautter, nachlesen, daß er während der Arbeit an diesem Bildband an einem Krebsleiden erkrankte. Daraufhin „begann er mit einer Intensität zu fotografieren, als würde jedes Bild sein letztes sein“ (Zitat aus dem Buch). Und genau diese Intensität spürt man sehr deutlich beim Betrachten dieser Bilder, was zu einem fantastischen Gesamtergebnis geführt hat. (PS: Inzwischen geht es ihm schon wieder besser, nach einer Operation konnte er sich inzwischen wieder erholen, ohne daß sich der Krebs wieder gemeldet hat.)




Impressionen aus „Japan
Fotos © Hans Sautter/ Bruckmann-Verlag
	

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