Jetzt wird’s ernst: KANJI

Ganz am Anfang hatte ich bereits etwas über die japanische Schrift geschrieben. Als erstes lernt man die japanischen Silbenalphabete Hiragana und Katakana, um die ersten Schritte in die fremde Sprache zu machen. WIr haben bereits festgestellt, daß die Silben hilfreich sind, um sich die japanischen Vokabeln leichter merken zu können. Bisher haben wir dabei noch einen großen Bogen um die Kanjis gemacht, also um die chinesischen Schriftzeichen, die vielen Angst und Schrecken einjagen. Wenn man diese Angst allerdings erstmal überwunden hat, wird man schnell den Nutzen verstehen und sich damit vielleicht etwas motivieren können, diesen essentiellen Bestandteil der japanischen Sprache, Schrift und Kultur zu lernen. Spätestens sobald man mit seinen neu erlangten Hiragana-Kenntnissen erwartungsvoll ein Buch oder eine Zeitung auf japanisch aufschlägt, wird einem schnell bewußt, daß man nicht umhin kommt, die Kanjis auch noch zu lernen.

Kanji für „Ai“ = „Liebe“



Gleich mal eine gute Nachricht zu Anfang: das Lernen der Kanjis ist kein Ding der Unmöglichkeit. Anfangs ist man zwar leicht verschreckt, wenn man die scheinbar unzähligen Zeichen sieht, die wahnsinnig komplex sind, alle irgendwie gleich aussehen, und auch noch bis zu drei verschiedener Lesungen haben. Mein Tipp: nicht abschrecken lassen – freut Euch statt dessen lieber darauf, irgendwann diese wunderschönen Zeichen verstehen zu können, und nicht mehr trotz Eurer Japanisch-Kenntnisse wie ein Blinder über die japanische Literatur oder durch einen städtischen Schilderwald zu laufen. Zunächst mal ein paar grundlegende Infos zur Einleitung:

1. Warum benutzendie Japaner die chinesischen Schriftzeichen?
Im japanischen gibt es sehr viele Begriffe, die gleich klingen, sogenannte Homonyme. Aus dem Kontext wird zwar in der Regel klar, worum es geht – insbesonder während der Konversation, da Japaner natürlich nicht sagen „Ich meine jetzt dieses Wort, für das das Kanji verwendet wird, welches die Bedeutung hat…“ Aber wir überall auch gibt es elliptische (verkürzte) Sätze, Ausrufe, Schilder, Schlagzeilen oder sonstige Gelgenheiten, in der Worte möglicherweise nicht in ausreichendem Kontext auftreten, um sofort am Wortklang zu wissen, worum es geht. Die Kanjis, die aus den chinesischen Schriftzeichen entstanden sind, und daher wie Pictogramme jeweils eine bestimmte Bedeutung haben, erleichtern das Lesen (wenn man sie erstmal gelernt hat) und helfen, auf den ersten Blick bereits erkennen zu können, worum es eigentlich geht. Hier ein paar Beispiele für Homonyme, die dank der Kanji sofort leicht unterschieden werden können:
  • こい (koi) = (Liebe) oder (Karpfen)
  • いる (iru) = 射る (schießen) oder 入る (hineingehen/betreten) oder 要る (brauchen/benötigen)
  •  あう (au) = 会う (treffen) oder 合う (passen)
Mal ehrlich: es ist schon ganz gut zu wissen, ob Euch Euer bester Freund erzählt, daß er einen neuen Fisch (Karpfen) oder eine neue Liebe gefunden hat, oder?  ><


2. Was hat es mit den verschiedenen Lesungen auf sich? 
Jedes Kanji hat mehrere verschiedene Lesungen. Dies hängt davon ab, in welchem Zusammenhang und an welcher Stelle im Wort das Kanji steht. Hierbei wird die ON- und die KUN-Lesung unterschieden. Dieses Thema ist reichlich komplex, und hat historischen Ursprung. für den Anfang soll es für uns einfach erstmal genügen, zu wissen, daß es unterschiedliche Lesungen gibt – teilweise leider von zwei bis zu zehn verschiedenen. Auch hierfür ein paar Beispiele:
  •  (Tag/Sonne)
    • (bi) in 木曜 (mokuyôbi = もくようび = Donnerstag) 
    • oder  (ni) in  本 (nihon = ほん = Japan)

  •  (Buch/Ursprung) 
    • ほん (hon) in 日 (nihon = にほん = Japan) 
    • oder もと (moto) wie im Familiennamen 山 (Yamamoto = やまもと)

  •  (Jahr)
    • とし (toshi) in 今 (kotoshi = ことし = dieses Jahr) 
    • oder ねん (nen) in 享年 (kyônen = きょうねん = letztes Jahr)


3. Besteht überhaupt eine Chance, das jemals lernen zu können?
Die Antwort ist genauso einfach wie ermutigend: NATÜRLICH! ^^
Klar, wenn man die vielen komplizierten Strichfolgen sieht und hört, wie unterschiedlich das alles eingesetzt wird, ist es schwer vorstellbar, die Kanjis einmal bewältigen zu können, aber das ist der falsche Ansatz. Das Japanese Ministry of Education hat 1945 ein eine Liste mit 1850 Zeichen entwickelt, genannt Toyo Kanji, die alle Zeichen beinhalten sollte, die für die schriftliche Kommunikation nötig sind. 1981 wurde die Liste erweitert auf 1945 Zeichen und umbenannt in Joyo Kanji. Bis zum Ende der 6. Klasse in Japane haben alle Schüler diese Liste an Kanjis gelernt, damit sie sich sicher im Alltag (schriftlich) ausdrücken (und lesen) können. Diese Zahlen mögen abschreckend sein, aber wenn man erst einmal angefangen hat, sieht man, daß das Ziel nicht in so unerreichbarer Ferne ist, wie zuerst angenommen. In der ersten Klasse werden 80 Kanjis gelehrt und gelernt, und sobald Ihr die schonmal drin hat, müßt Ihr Euch nur sagen „Wow, schon rund 5%!“


4. Und wie fange ich an?
Hierfür gibt es glücklicherweise viele verschiedene Hilfsmittel. Das Lernziel besteht dabei jeweils aus drei Elementen:
  • das Kanji und seine Bedeutung erkennen, wenn man es irgendwo sieht
  • das Kanji selbst schreiben können
  • wissen, wie man das Kanji lesen muß

Um das alles in den Kopf zu bekommen, muß man ständig üben und wiederholen, und dabei jeden dieser Bereiche trainieren. Eine hervorragende Hilfe bietet hier die Nintendo-DS-Lernsoftware My Japanese Coach, die ich bereits vorgestellt hatte. Hier werden die wichtigsten Elemente hervorragend trainiert. Anhand verschiedener Spiele werden nach und nachdie Kanjis trainiert. Ein Punkt, der hier besonders hilfreich ist: Dank des TouchScreens des Nintendo DS(i) hat man die Möglichkeit, nicht nur das Lesen, sondern auch das Schreiben zu trainieren. In extra dafür vorgesehenen Kanji-Lektionen, die zwischen den anderen Grammatik- und Vokabel-Lektionen verteilt sind, lernt man hier nach und nach jeweils 10 neue Kanjis pro Lektion, wodurch man schnell Fortschritte macht. Anhand von Beispielsätzen und Übungen wird das neu gelernte Wissen dabei gut trainiert.

Wer keinen s Nintendo DS(i) zur Hand hat, muß aber nicht verzagen. Es gibt natürlich auch noch die ganz klassischen Systeme, um Kanjis zu lernen. Eine der häufigsten Methoden ist wohl die Verwendung von Flash-Cards. Diese kann man sich selbst erstellen, oder bereits vorgefertigte kaufen, die nochmal ein paar Zusatz-Informationen enthalten. Ich habe mir hierzu „Kanji Cards: 1“ besorgt. Die Karten sind sehr schön übersichtlich aufgebaut und in einem angenehmen Format für die Jackentasche, sodaß man leicht im Zug oder an der Bushaltestelle ein paar Kanji wiederholen kann. Auf den Karten sind die Kanji mit ihrer Bedeutung sowie den verschiedenen Lesungen erklärt. Dazu gibt es ein paar Beispiele, in welchen Worten das Kanji verwedendet wird – man kann also gleich noch sein Vokabular aufbessern damit. Außerdem ist noch die Strichfolge angegeben, damit man weiß, wie man das neu zu lernende Kanji schreiben muß.

Wer hiermit immer wieder übt und lernt, wird schnell die ersten Erfolge erkennen können. Die Belohnung ist das Erfolgserlebnis, das man hat, wenn sich plötzlich der Nebel lichtet und man auf Schildern oder Straßenkarten, die vorher nur ein reiner Hieroglyphen waren vereinzelte Worte oder Namen lesen kann. Daher empfehle ich, den Ruf des Schreckgespenstes, den Kanjis mit sich tragen, so schnell wie möglich abzulegen, und das ganze eher als lohnende Schatzsuche zu betrachten. So kann man es schaffen, die Motivation aufrecht zu erhalten und schließlich dem Ziel immer näher zu kommen, irgendwann tatsächlich Japanisch zu verstehen und sogar lesen zu können!

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